Exkursionsprotokoll 260409
Aus DunkelsteinerwaldWiki
Protokoll der naturkundlichen Wanderung mit Naturvermittler Georg Schramayr
Start am Dorfplatz von Gerolding am 26. April 2009 um 14h, wir sind 81 Personen und gehen die Route „Hase“.
Als erstes finden wir zwei stark mit Efeu bewachsene Birnbäume. Efeu ist kein Parasit, aber er verwendet Bäume und Mauern als Kletterhilfe. Wir erkennen zwei verschiedene Blattformen. Erst ahornförmige Jugend-Blätter die der Efeu trägt, wenn er ans Licht klettert. Zu diesem Zeitpunkt ist er eng an die Unterlage angepresst. Später entwickelt er herzförmige Blätter, bildet kleine Ästchen und und hebt sich von der Kletterhilfe ab. Er blüht im Herbst und fruchtet im Frühling. Efeu ist immergrün und stammt ursprünglich aus einem anderen, wintermilderen Klimagebiet. Er wirkt auf uns toxisch, aber Amseln z.B. lieben Efeufrüchte.
Dann kommen wir zu einer Reihe von Mostbirnbäumen. Hier sehen wir Ausläufer der Bäume, die als Zeichen für individuelle Veredelungsunterlagen (Wildlinge aus dem Wald, z.B. Holzbirnen) gelten, denn früher wurde selbst veredelt (gepölzt). Die Typenunterlagen der Baumschulen zeigen diese Ausläuferbildung nicht.
Streuobstwiesen sind landeskulturelle Besonderheiten. Sie sind die bodenständige Variante der Permakultur und weisen in ihrem Unterwuchs eine große Anzahl von Arten auf. Wir finden die Herbstzeitlose. Sie blüht im Herbst und fruchtet im Frühling. Die Zwiebel befindet sich 15-30 Zentimeter unter der Erde. Der Fruchtknoten entwickelt sich in der Zwiebel, der Fruchtstiel verlängert sich im Frühjahr und so gelangt die Fruchtkapsel im Schutz des Blattschopfes wieder an die Erdoberfläche. Sie stammt ursprünglich aus dem Schwarzmeergebiet , aus Kolchien. Sie ist sehr giftig und deren Blätter werden leider immer wieder mit Bärlauch verwechselt. Zwar ist der Geruch der beiden Pflanzen sehr unterschiedlich, beim Sammeln soll man sich aber nicht ausschließlich auf den Geruchsvergleich iverlassen, weil der strenge Lauchgeruch der vielleicht vorher geernteten Bärlauchblätter bereits an den Fingern haftet oder Bärlauch gegessen wurde. Bessere Kontrollmöglichkeit bietet der Blattstiel. Bärlauchblätter haben einen deutlichen Blattstiel, bei der Herbstzeitlose sind die Blätter in den Stiel hinein verschmälert.
Vorsicht, Bärenklau (Hasenbrot) hat stark lichtempfindlich machende Inhaltsstoffe, ebenso wie andere Doldenblütler z.B. Liebstöckl (Maggikraut). Es kommt durch Kontakt des Pflanzensaftes mit der Haut mit anschließender Sonnenlicht-Einwirkung immer wieder zu starker Brandblasenentwicklung. Wenn man Pflanzensaft versehentlich auf die Haut bekommt, soll man die betroffenen Stellen gleich bedecken, damit keine UV-Strahlung darauffällt. Der Pflanzensaft alleine ist nicht hautreizend.Dieses Phänomen nennt sich Foto-Dermatitis und ist vor allem bei der nahe verwandten Art Riesenbärenklau bekannt.
Wir finden eine Hundsrose, mit Stacheln, rosa Blüten, und eine Feldrose ohne deutliche Stacheln, die weiss blüht. Mit ihren zurück gebogenen Stacheln hängt sich die Hundsrose in andere Büsche ein und hängt auch sehr schmückend bis zu 3m über Mauern.. In Gerolding gibt 5 ! verschiedene Wildrosenarten.
Entlang eines Ackerstreifens finden wir den Ackerschachtelhalm, Equisetum arvense.Die Pflanzengattung ist uralt. Nahe Verwandte der heutigen Arten bildeten vor 250 Millionen !!! Jahren 30-40m hohe Schachtelhalm-Wälder. Seine Verbreitung erfolgt hauptsächlich durch das Verschleppen der Wurzeln (Rhizome) durch die Bodenbearbeitung. Er kann zum lästigen Unkraut werden, wogegen doppeltiefes Ackern hilft. Er ist stark silikathältig und wurde früher zum Putzen von Zinn verwendet. Glas und Lack wird durch die Härte aber geritzt und trüb. Es gibt mehrere heimische Arten, von denen einige stark giftig sind. Nur der Ackerschachtelhalm darf als Tee verwendet werden. Sein Stängel ist innen hohl, was als Erkennungsmerkmal dient. Die „Blütentriebe“, die vor den Lautrieben erfolgen, tragen türkisfarbene Sporen. Auch zum Stoff- und Wollefärben kann man ihn verwenden, er färbt hellgrün. Oft sieht man den Ackerschachtelhalm auf Bahnböschungen, weil er der Einzige ist, der die zur Freihaltung des Bahnkörpers eingesetzten Spritzmittel überlebt.
Als nächstes finden wir das Steirergras (Rasenschmiele). Das Blattt hat, gegen das Licht gehalten, weissgrüne Streifen, (Silikatrippen) und wird von Kühen, beim Grasen geschickt stehen gelassen, was förderlich für seine Verbreitung ist. Es wächst in Horsten.
Überall blühen jetzt die Traubenkirschen deren Pflanzensaft Blausäureglykosid enthält.Diese Verbindung zerfällt bei der Zerstörung der Pflanzenzelle in einen mandelartigen Aromastoff, eine Zuckerrest und in Blausäure. Nicht alle Menschen können frei werdende Blausäure riechen, weshalb manche die zerriebene Rinde als wohlriechend epfinden und andere als unangenehm stinkend.
Die roten Früchte des Gewöhnlichen Schneeballs riechen stark nach Buttersäure, wie Schweißfüsse. Er ist mit dem Holler verwandt.
Am Waldrand blüht weiß, eine Sternmiere, sie ist eine Nelkenart, hat gegenständge Blätter und 5 Blütenblätter. Auch die Kulturnelke hatte ursprünglich 5 Blütenblätter, allerdings wurden bei ihr durch Züchtung die innenliegenden Staubgefäße in Blütenblätter umgewandelt und so zur „gefüllten“ Blüte.
Hier gibt’s auch die essbare Vogelmiere, den „Waldboden-störungsanzeiger“ Immergrün und die Seegrasegge (Sauergras). Die Seegrasseggennutzung wurde früher durch forstliche Nebennutzung zur Kleinindustrie. Sie wurde für Matrazenfüllungen und Herstellung von Körben und Schlapfen genutzt.
Auf einer stark vernässten Fläche sehen Sumpfdotterblumen und Buschwindröschen, das sind Frühlingsgeophyten die diese Vegetationsperiode voll ausnutzen und dann wegen Lichtmangel verschwinden.
Mädesüss, auch Spierstaude genannt, enthält Salizylsäure, ein Wirkstoff der auch im Aspirin eingesetzt wird. Sie wirkt gegen Kopfweh und Entzündungen. Der Name kommt vom süsslichen Geruch der Mahd.
Der ganze Dunkelsteinerwald hat keine großen Gewässer, er ist eigentlich ein flaches Plateau und die Gerinne besitzen nur kleine Einzugssysteme, z.B. wie dieses Tal. Der Untergrund ist die Böhmische Masse (Gneise, Granulit), der Boden ist großteils sauer. Es gibt in den Dunkelsteinerwald Gemeinden aber auch ausnahmsweise einige Marmoradern z.B im Spitzer-Graben, in Gerolding, Häusling und in Kochholz. Hier wurde in Kalköfen Löschkalk gebrannt.
Einer der kalkanzeigenden Pflanzen ist der Waldmeister. Er enthält Cumarin, das alkohollöslich ist und eine anregende Wirkung hat. Eine typische Zubereitung ist Waldmeisterbowle. Den typischen Geruch erkennt man erst beim Welken. Nicht zu verwechseln mit dem Waldlabkraut, Waldmeister hat einen vierkantigen Stiel. Er ist ein Rötegewächs und seine Wurzeln können zum Färben benutzt werden – braunrotes Krapprot (Dalai Lama- rot).
Wir finden auch eine Zwiebeltragende Zahnwurz, die sich wegen des Schattens auch durch Abwerfen, der in den Blattachseln sitzenden, schwarzen Zwiebelchen vermehrt. In den Minizwiebeln sind die vollkommen identischen Merkmale der Mutterplanze gespeichert (Die Pflanzen daraus sind dann eigentlich Klone). Das Rhizom (die Wurzel) trägt Zähne, daher der Name.
Am Wegrand wächst die Weiße Pestwurz, deren große Blätter als Hut dienen können.Ihren Namen hat sie von der längst abgekommenen volksmedizinischen Verwendung. Die Blüten des Lungenkrautes, Pulmonaria sind violett und rosa. Sie zeigen den ph-Wert an. Bei Säure rosa, bei Base blau. Das gelb-grüne Milzkraut hat tellerartige, gelb gefärbte Blätter, die als Schaublätter für die unscheinbare Blüte und als Landehilfe für Insekten dienen. Giersch, Aegopodium podagraria, auch Erdholler genannt hat einen dreieckigen Blattstiel, schmeckt lecker nach Petersilie und ist hilfreich bei Gicht, Rheuma und Arthrose.
Der nächste Kalkanzeiger ist die Waldplatterbse. Sie ist ein Frühjahrsblüher und hat rosa und violette Blüten.
Kalkhältiger Boden ist deshalb so fruchtbar weil er besser isoliert, er ist wärmer und kann mehr Nährstoffe freisetzen.
Den Kalkgehalt des mineralischen Untergrundes kann man einfach mit einem Tropfen verdünnter Salzsäure nachweisen. Schäumt der auf den Stein aufgebrachte Tropfen kräftig auf, da dabei Kohlendioxid freigesetzt wird, das wie bei einem Mineralwasser durch den Wassertropfen nach oben entweicht. Bei Gneisen und Granuliten gibt es dagegen keine Reaktion.
Auch die sehr giftige Einbeere ist ein Kalkanzeiger. Sie kommt in den Marmoradern-Abschnitten massenhaft vor. Wir finden viele Buchensämlinge, die wir an den großen dunkelgrünen Keimblättern erkennen. Die beiden eigenartig gewellten Keimblätter sind zu einer regelrechten Plattform zusammengewachsen.
Nun sind wir beim restaurierten Kalkofen angekommen und besichtigen den interessanten Bau. Hier kann man die Geschichte des Kalkbrennens nachvollziehen. Der Kalkofen ist auch sehr interessant für Schulklassen und Exkursionen.
Auf der Wiese finden wir das duftende Ruchgras, das für den charateristischen Geruch des Magerwiesenheues verantwortlich ist und früher zum Räuchern verwendet wurde. Es ist ein Frühblüher und wird später vom Glatthafer (Obergras) überwachsen.
Am Weg zum Kreuz finden wir Süssblatttragant, Zypressenolfsmilch (Warzenkraut), Mehlbeere (ist auch ein Kalkanzeiger und kommt auch in anderen Marmorgebieten vor, Pastinak, Waldschachtelhalm, Angelika, Waldengelwurz, erkennbar an Ö förmigem Blattstielquerschnitt, Stumpfblättrigen Ampfer, Anserine, Gänsefingerkraut (eine ausdauernde Betrittpflanze).
Beim Kreuz stehen 2 gewaltige Thujen, Thuja plicata, das ist eine amerikanische Thujenart die früher auch forstliche Verwendung fand.
Wir finden die Walderdbeere mit fünf Blütenblättern und Weißes Fünffingerkraut, dessen Blüten wie Erdbeerblüten aussehen. Das weiße Fünffingerkraut ist ebenfalls eine kalkanzeigende Pflanze.
Am Wegrand wächst eine weibliche Salweide, die wie alle Weiden eine zweihäusige Pflanze ist. Das heißt, es gibt weibliche und männliche Weidenpflanzen. Am Ende des Weges sehen wir noch Margariten, Echtes Labkraut und Sand-Ginster.
Ankunft am Dorfplatz bei der Schule um 17h15.
Herzlichen Dank für das lebendige Wissen um Natur und Zusammenhänge und für die liebevolle Begeisterung, die ansteckt...
Protokoll führte Elisabeth Kickinger
